Wohnzimmerkirche Atmosphäre
Gemütliche Sofas in der Kirche
Wohnzimmerkirche Neuenkirchen

Wohnzimmerkirche

Kirche mal anders. Warm. Echt. Gemeinsam.

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Kirche, die zum Wohnzimmer wird

Die Wohnzimmerkirche ist ein neues Gottesdienstformat, das Kirche neu denkt. Keine steife Ordnung, keine unbequemen Bänke - stattdessen gemütliche Sofas, Tische zum Zusammensitzen und eine Atmosphäre zum Wohlfühlen.

Die Kirche St. Jacobi in Neuenkirchen verwandelt sich an diesen Abenden in einen besonderen Ort: einen Raum für Begegnung, moderne Musik und echte Gespräche.

Begegnung

Menschen kommen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären.

Musik

Live gespielte moderne Songs und vertraute Choräle schaffen eine warme Atmosphäre.

Gespräche

Mit dem Fragomaten entstehen lebendige Gespräche zu spannenden Themen.

Der Fragomat

Ein umgebauter Kaugummiautomat voller spannender Fragen zu den jeweiligen Themen. Ob "Was bedeutet Neuanfang für dich?" oder "Welche Worte aus der Kindheit haben dich geprägt?" - es gibt keine vorgefertigten Antworten, sondern Zeit und Raum zum Nachdenken und Austauschen.

Zum Nachlesen

Was bisher geschah - Einblicke in vergangene Wohnzimmerkirchen. Zum Nachlesen, selber Feiern und Inspirieren lassen.

03. Mai 2026

Aufblühen

Kantate - Auf der Suche nach dem Guten zwischen den Zeilen

Ankommen

Tobias spielt am Klavier - leicht, frühlingshaft. Auf den Tischen: kleine Vasen mit ein paar Blüten (Tulpen, Margeriten, was gerade da ist). Snacks, Schorle, Kaffee. Alle kommen rein, finden ihren Platz.

Begrüßung

Simon, über der Musik.

Schön, dass ihr da seid. Riecht ihr das? Nach draußen, nach Frühling, nach Mai. Manche von euch haben den Flieder im Vorgarten, andere sehen ihn nur beim Vorbeigehen. Aber er ist da.

Wir sind heute hier, weil draußen etwas passiert, das uns jedes Jahr aufs Neue überrascht: Die Welt blüht auf. Und gleichzeitig ist die Welt voll von Schweren. Krieg in der Ukraine, in Gaza, an Stellen, von denen wir kaum noch reden. Müdigkeit. Sorge. Ihr wisst, was alles los ist.

Und mitten drin: blüht es. Auf dem Mittelstreifen der B5. Im Vorgarten von Frau Petersen. Zwischen den Pflastersteinen am Edeka-Parkplatz.

Heute Abend gehen wir auf die Suche. Wir suchen das Gute. Wir lesen zwischen den Zeilen. Wir gucken hin, wo es wächst - auch wenn es klein ist.

Wir feiern diesen Abend im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Heute ist Kantate. »Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.« Steht im 98. Psalm. Wir singen heute Abend viel. Tobias ist da, ihr kennt ihn - er macht die Musik.

Lied: Geh aus, mein Herz, und suche Freud (EG 503, 1-3, 13)

Psalmwort & Eingangsgebet

Simon. Tobias spielt leise im Hintergrund.

Aus dem Hohelied, Kapitel 2:

Der Winter ist vorbei,
der Regen ist vorüber,
er ist dahin.
Die Blumen sind hervorgekommen im Lande,
der Lenz ist gekommen,
und die Turteltaube lässt sich hören in unserem Lande.

Lasst uns beten.

Guter Gott,
wir kommen aus einer Welt,
in der so vieles welk ist.
Schlagzeilen, die uns flach machen.
Sorgen, die wir mitschleppen wie nasse Mäntel.

Und dann das hier:
Mai. Flieder. Vögel um sechs.
Du machst das. Jedes Jahr neu.

Gott, lass uns heute Abend etwas davon abkriegen.
Von dieser Hartnäckigkeit, mit der das Leben sich durchsetzt.
Mach unsere Augen auf für das Gute.
Für das, was zwischen den Zeilen steht.
Für die Wunder, die wir oft übersehen.

Sei hier. Zwischen Schorle und Kekstellern.
Zwischen unseren Sätzen und unserem Schweigen.
Amen.

Lied: Wie lieblich ist der Maien (EG 501, 1-4)

Impuls 1: Zwischen den Zeilen

Simon.

Ich war diese Woche kurz beim Bäcker. Eine Frau, die vor mir stand, sagt zur Verkäuferin: »Ich kann das alles nicht mehr hören. Was die Nachrichten alles bringen.«

Und die Verkäuferin nickt nur.

Wir gucken doch hin. Wir kriegen das doch alles mit. Das Sterben in Gaza. Den Krieg, der jetzt im vierten Jahr ist. Den Sudan, von dem kaum noch jemand redet. Die Welt fühlt sich an wie eine Zeitung, in der nur die schlechten Schlagzeilen stehen.

Aber dann bin ich aus dem Bäcker rausgekommen. Auf dem Parkplatz, zwischen den Pflastersteinen, wo eigentlich gar nichts wachsen kann - da blühte Löwenzahn. Vier, fünf gelbe Köpfe.

Löwenzahn löst keinen Krieg. Aber er ist da. Mitten im Asphalt.

Heute Abend wollen wir das üben. Das Hingucken. Das Zwischen-den-Zeilen-Lesen. Das Suchen nach dem Gelben im Grau.

Das Hohelied sagt: »Der Winter ist vorbei. Die Blumen sind hervorgekommen.« Die Bibel weiß, was Winter ist. Und genau aus diesem Wissen heraus singt sie weiter.

Aufblühen heißt: Es geht weiter. Das Leben hört nicht auf, sich zu zeigen. Manchmal ganz klein. Manchmal im Asphalt.

Lasst uns lernen, wieder hinzugucken.

Lied: Instrumentalstück

Impuls 2: Dem Wunder die Hand hinhalten

Simon.

Es gibt dieses Gedicht von Hilde Domin. Hört mal:

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

Dem Wunder die Hand hinhalten. Leise. Wie einem Vogel.

Hilde Domin hat das geschrieben, nachdem sie aus dem Exil zurückgekommen ist. Sie wusste, was Müde-Werden heißt. Sie wusste, was Welt-Ertragen heißt. Und trotzdem - oder gerade deshalb - schreibt sie diesen Satz: Dem Wunder die Hand hinhalten.

Wunder. Ein großes Wort. Aber Wunder sind überall.

Ein Regenbogen ist ein Wunder. Diese Brücke aus Licht, einfach so, über dem Feld.

Ein neugeborenes Kind ist ein Wunder. Die kleinen Finger. Die kleinen Nägel. Alles dran.

Der erste Kaffee am Morgen ist ein Wunder. Wirklich.

Dass Bäume aus einem winzigen Samen werden, dass sie hundert Jahre alt werden, dass sie im Frühling immer wieder grüne Blätter machen - Wunder.

Dass dein Herz schlägt, ohne dass du dran denken musst - Wunder.

Ein Schmetterling. Das ganze Leben dieses Tieres: Raupe, Puppe, Flügel. Wunder.

Der Sternenhimmel an einem klaren Abend. Wenn du an der Eider stehst und nach oben guckst - Wunder.

Ein Brief im Briefkasten, mit Handschrift, von einem Menschen, der an dich denkt - Wunder.

Eine Umarmung, die genau im richtigen Moment kommt - Wunder.

Wunder sind überall. Wir müssen sie nur sehen.

Übung: Welches Wunder ist mir begegnet?

Simon.

Jetzt seid ihr dran. Ich lade euch ein zu einer kleinen Übung.

Schließt mal kurz die Augen. Geht durch die letzten Tage. Vielleicht die letzte Woche. Vielleicht den heutigen Tag.

Wo ist euch ein Wunder begegnet? Vielleicht ein Regenbogen. Vielleicht ein Sonnenaufgang. Vielleicht ein Lachen, das genau richtig kam. Vielleicht ein Brief. Vielleicht ein Moment am Meer. Vielleicht ein selbstgemaltes Bild von einem Kind, einfach so, ohne Anlass.

Nehmt euch eine halbe Minute. Sucht in eurem Kopf.

Stille. Tobias spielt ganz leise. 30-45 Sekunden.

Habt ihr was?

Dann erzählt es jetzt am Tisch. Reihum. Kurz. Jeder ein Wunder. Wer nichts sagen will, sagt nichts. Aber probiert's.

Nehmt euch fünf, sechs Minuten.

Tobias spielt leise im Hintergrund. Die Tische tauschen sich aus.

Nach einer Weile, Simon:

Schön. Die Welt ist voller Wunder. Wir müssen nur die Hand hinhalten.

Lied: Himmel, Erde, Luft und Meer (EG 504, 1-6)

Impuls 3: Aufblühen

Text: Eva Knöll, 2026.

Wenn ich ans Aufblühen denke, dann habe ich momentan vor allem Obstbäume im Sinn. Üppige bunte Blütenbälle an Ästen. Und wie jedes Jahr staune ich darüber, dass die Bäume in scheinbar so kurzer Zeit so eine Veränderung hinlegen können, dass sie so aufgeblüht sind.

Manchmal staune ich auch darüber, wie ein Mensch aufblüht.

Wenn dieser Mensch mehr Freude ausstrahlt, als ich es gewohnt bin. Wenn dieser Mensch mehr Energie hat, mehr Kraft.

So ein Aufblühen kann mit einer Veränderung einhergehen: ein Umzug, ein Jobwechsel, eine neue Bekanntschaft oder so. Aufblühen hat dann etwas damit zu tun, am richtigen Ort angekommen zu sein. Dort zu sein, wo man hingehört.

Aufblühen geht aber auch ohne Ortswechsel.

Ein Apfelbaum steht schließlich sein Leben lang an einer Stelle und blüht trotzdem jedes Jahr. Aufblühen hat nicht nur mit dem richtigen Ort, sondern auch mit der richtigen Zeit zu tun. Menschen blühen zum Beispiel auf, wenn sie ihre Zeit mit dem verbringen, was ihnen Spaß macht. Diese Zeit ist aber nicht immer.

Zum Aufblühen braucht es also die richtige Zeit und den richtigen Ort.

Am letzten Freitag habe ich eine Freundin in ihrem Garten bei Hamburg besucht. An ihrer Hauswand steht ein kleiner Weinstock. Wein ist ungewöhnlich für den Norden, aber dieser Weinstock kommt aus Hessen, ihrer Heimat. Als ich ganz nah vor den Reben stand, konnte ich winzige Blüten sehen. Ein kleines Wunder, weil eigentlich kommen die Blüten erst so Mitte Mai.

Ich hab also diesen Weinstock angesehen und dachte: Eigentlich ist jetzt weder die richtige Zeit, noch der richtige Ort für solche Blüten. Und dann musste ich schmunzeln, denn für diese Reben ist es offensichtlich doch genau der richtige Ort und die richtige Zeit zum Aufblühen.

© Eva Knöll | 2026

Fragomat (optional)

Wenn ihr mögt, könnt ihr jetzt noch eine Runde am Tisch reden. Es liegt ein Fragomat bereit. Wer Lust hat, zieht sich eine Frage und tauscht sich aus. Wer einfach nur sitzen und die Musik hören will - auch gut.

Zehn Minuten. Dann geht's weiter.

Tobias spielt leise. Wer mag, redet. Wer nicht, hört zu.

Lied: Kommt her, ihr seid geladen (EG 213, 1-4)

Impuls 4 & Agape-Mahl: Gestärkt aufblühen

Simon.

Aufblühen geht nicht aus Luft.

Eine Pflanze braucht Wasser. Erde. Licht. Sonst wird das nichts.

Und wir? Wir brauchen auch was. Wir brauchen Stärkung. Wir brauchen einen Moment, wo uns mal jemand sagt: Du bist gemeint. Du gehörst dazu. Hier, nimm - das ist für dich.

Genau dafür feiern wir heute Abend ein Agape-Mahl. Ein Liebesmahl. So, wie die ersten Christen es gefeiert haben - an Tischen, miteinander, reihum.

Brot und Saft. Mehr ist es nicht. Und gleichzeitig: alles.

Brot - das ist das, was uns am Leben hält. Was wir jeden Tag essen. Was Bauern aussäen und ernten. Was unter der Erde gewachsen ist. Was Menschen zubereiten.

Saft - das ist Frucht. Das ist Sonne und Regen, die in einer Beere zusammengekommen sind. Das ist Freude in flüssiger Form.

Jesus hat gesagt: Nehmt das. Esst das. Trinkt das. Das bin ich für euch.

Das heißt: Ihr seid nicht allein. Ihr werdet getragen. Ihr werdet gestärkt für das, was kommt.

Wir feiern das jetzt zusammen. Hier am Tisch. Im Wohnzimmer.

Erinnerungsworte

Simon, frei gesprochen.

Jesus saß mit seinen Freunden zusammen. Sie haben gut gegessen am Pessach-Fest. Und als sie fertig waren, hat Jesus das Brot genommen. Denn er wusste, er wird sterben. Und er wusste auch, sie brauchen etwas, um sich an ihn zu erinnern.

Dann hat er das Brot genommen, das, was noch da war, und hat es gebrochen und hat es seinen Freunden gegeben und hat gesagt:

„Nehmt das und esst alle davon. Und immer, wenn ihr das tut, auf diese Art und Weise, dann denkt an mich."

Friedensgruß

Bevor wir teilen, geben wir uns ein Zeichen des Friedens.

Reicht eurem Nachbarn die Hand. Sagt euch: Friede sei mit dir.

Friedensgruß an den Tischen.

Teilen am Tisch

Brot und Saft werden an den Tischen reihum weitergegeben. Tobias spielt durchgehend leise weiter.

Dankgebet

Guter Gott,
danke für das Brot. Danke für den Saft.
Danke, dass wir nicht allein aufblühen müssen.
Du stärkst uns. Du nährst uns. Du bist da.

Schick uns jetzt raus, in diese Welt,
die so dringend Menschen braucht,
die das Gute sehen.
Amen.

Lied: Wer nur den lieben Gott lässt walten (EG 369, 1-3 u. 7)

Fürbitten

Simon. Tobias spielt leise.

Guter Gott,
wir bringen dir die Welt, wie sie ist.

Wir bringen dir den Krieg, der nicht aufhören will.
Die Menschen in der Ukraine, in Gaza, im Sudan, im Jemen - überall, wo Frühling sich anfühlt wie Hohn.
Lass uns hingucken. Lass uns hoffen. Lass uns das Gute suchen.

Wir bringen dir die Müden.
Die, die nicht mehr können.
Die, die innerlich Winter haben, obwohl draußen der Flieder blüht.
Sei bei ihnen. Schick ihnen Menschen, die Hand hinhalten.

Wir bringen dir das, was in uns wächst, ohne dass wir es sehen.
Die kleinen Wurzeln. Die zaghaften Hoffnungen.
Schütz, was zart ist. Lass es Zeit haben.

Wir bringen dir die Wunder, die wir heute Abend geteilt haben.
Regenbögen. Sonnenaufgänge. Briefe. Das Lachen, das genau richtig kam.
Lass uns weiter hinhalten. Die Hand. Die Augen. Das Herz.
Amen.

Vater Unser

Alle gemeinsam.

Segen

Der Gott, der den Winter beendet,
segne euch und behüte euch.

Der Gott, der unter der Erde arbeitet,
lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Gott, der jedes Jahr aufs Neue blüht,
erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.
Amen.

Lied: Sei behütet auf deinen Wegen

Ausklang

Tobias spielt am Klavier. Wer will, bleibt sitzen.

Die nächste Wohnzimmerkirche ist am 07.06.2026 um 17 Uhr. Die Kollekte sammeln wir wieder dafür - für die Wohnzimmerkirche.

Geht raus. Guckt hin. Haltet die Hand hin.

Schönen Abend.

01. März 2026

Freiheit

Die Klänge der Freiheit - Eine musikalische Reise mit Tobias Bernhard an Orgel und Klavier

Ankommen: Freiheit-Improvisation

Tobias Bernhard spielt an der Orgel: Das Wort „Freiheit" musikalisch transkribiert über ein Tonalphabet, verwoben mit der deutschen Nationalhymne - Komposition im inneren Exil. Alle kommen an, Snacks, Getränke.

Begrüßung

Schön, dass ihr da seid. Macht es euch gemütlich. Das hier ist Wohnzimmer.

Ich muss ehrlich sein: Heute Nacht haben Israel und die USA den Iran angegriffen. Hunderte Menschen sind gestorben. Kinder. In einer Schule wurden über 140 Menschen getötet. Gerade jetzt fliegen Raketen - in beide Richtungen. Menschen verlieren ihr Leben, ihre Heimat, ihre Liebsten.

Und wir sitzen hier. Mit Keksen und Schorle. Und unser Thema ist: Freiheit.

Ich glaube, genau deshalb müssen wir heute darüber reden. Weil Freiheit nicht selbstverständlich ist. Weil sie gerade vor unseren Augen erkämpft und zerstört wird - gleichzeitig. Und weil die Frage, ob Freiheit aus Gewalt entstehen kann, heute Nacht keine theoretische Frage mehr ist.

Gott ist ein Gott der Freiheit. Er hat sein Volk aus der Sklaverei geführt. Nicht mit Bomben. Mit einem Weg. Durch das Meer. Ins Offene.

Heute Abend nehmen wir euch mit auf eine Reise durch drei Klangräume der Freiheit. Und Tobias Bernhard ist dabei nicht nur Musiker - er ist Co-Erzähler.

Was ihr gerade an der Orgel gehört habt, war schon der erste Klangraum.

Tobias Bernhard erklärt sein Orgelstück: Das Wort „Freiheit" über ein Tonalphabet, verwoben mit der Nationalhymne. Komposition im inneren Exil - Freiheit, die man verstecken muss. Frei gesprochen.

Gebet

Tobias spielt leisen Klangteppich am Klavier

Guter Gott,
wir kommen heute nicht unbeschwert. Draußen brennt die Welt. Im Iran sterben Menschen. In Israel heulen die Sirenen. Raketen fliegen über Länder, die du geschaffen hast.

Und hier sitzen wir. Sicher. Warm. Mit einem Kloß im Hals.

Sei bei den Menschen, die gerade keine Sicherheit haben. Die fliehen. Die um ihre Kinder weinen.

Und sei bei uns. Mit unserer Ohnmacht. Mit unserer Sehnsucht nach einer Welt, in der Freiheit nicht aus Gewehrläufen kommt.

Sei hier. In der Musik. In den Worten. In der Stille.
Amen.

Impuls: Verschlüsselte Freiheit

Was Tobias an der Orgel gespielt hat, war Freiheit, die sich verstecken muss. Komponisten im inneren Exil haben ihre Sehnsucht in Noten geschmuggelt. Wo der Mund schweigen musste, haben die Finger gesprochen.

Kennt ihr das? Etwas Wichtiges nicht aussprechen können? Das muss kein Regime sein. Das kann der Arbeitsplatz sein. Die Familie. Die eigene innere Zensur.

586 vor Christus. Jerusalem ist zerstört. Der Tempel liegt in Trümmern. Israel wird verschleppt nach Babylon. Alles verloren: Heimat, Glaube, Selbstbestimmung. Und dann sitzen sie da, an fremden Flüssen, und die Aufseher höhnen: „Singt uns doch mal eins von euren Liedern!"

Und Israel antwortet - Psalm 137: „Wie sollen wir singen in fremdem Land?"

Dieser Psalm ist ein Klagelied. Tief, roh, ehrlich. Er beginnt mit Trauer und Heimweh. Aber er endet - und das muss man wissen - mit einem Schrei nach Vergeltung. Mit Wörtern, die uns erschrecken. Die Gewalt zurückwünschen. Auge um Auge.

Und wisst ihr was? Ich finde, wir dürfen diesen Psalm nicht glätten. Er zeigt, was Gewalt mit Menschen macht. Wer alles verliert, wer Zerstörung erlebt, der schreit irgendwann zurück. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Das war vor 2600 Jahren so. Und das sehen wir heute Nacht im Iran.

Und gleichzeitig - und das macht es so schwer auszuhalten - war das Regime, das heute Nacht getroffen wurde, selbst ein Regime der Gewalt. Ein Regime, das in den letzten Monaten Zehntausende eigene Menschen über den Haufen gemäht hat. Demonstranten. Frauen. Studenten. Menschen, die nichts anderes wollten als: Freiheit.

Und jetzt? Jetzt fallen Bomben auf dieses Regime - und treffen Schulen. Treffen Kinder. Treffen die, die man angeblich befreien will. Das ist die Spirale: Gewalt erzeugt Gegengewalt erzeugt Gegengewalt. Und am Ende sterben immer die Falschen.

Ich weiß nicht, wie Freiheit für den Iran aussieht. Vielleicht bedeutet diese Nacht tatsächlich Freiheit für Millionen Menschen, die unter diesem Regime gelitten haben. Und gleichzeitig wird sie Tausende radikalisieren. Neue Wut erzeugen. Neuen Hass. Wir können es uns nicht einfach machen. Nicht mit einem schnellen „Gewalt ist immer falsch". Und nicht mit einem „Das musste sein". Die Wahrheit ist: Wir stehen da und wissen es nicht. Und vielleicht ist genau das der ehrlichste Ort, um zu beten.

Aber sie haben trotzdem gesungen. Sie haben ihre Harfen an die Weiden gehängt und geweint. Und dann haben sie gesungen. Für sich. Für Gott. Als Widerstand. Nicht mit Waffen, sondern mit Liedern.

Lasst uns das jetzt auch tun. Ein hebräisches Lied. Worte des Friedens in der Sprache derer, die trotzdem gesungen haben.

Lied: Schalom chaverim (EG 434)

Impuls: Freiheit auf der Straße

Vom Flüstern zum Rufen. Manchmal reicht es nicht, die Freiheit in Noten zu verstecken. Manchmal muss sie raus. Auf die Straße.

9. November 1989. Eine Mauer fällt. Keine Panzer. Keine Bomben. Kerzen. Gebete. Lieder. In Leipzig gingen Menschen mit Kerzen auf die Straße. Weil man keine Steine werfen kann, wenn man eine Kerze hält.

Ein Stasi-Offizier hat später gesagt: „Wir waren auf alles vorbereitet - nur nicht auf Kerzen und Gebete."

Heute Nacht sind Bomben gefallen. Und ich frage mich: Warum greifen wir immer wieder zu Gewalt, wenn die Geschichte uns gezeigt hat, dass Freiheit anders geht?

Jesus sagt: „Selig sind die Friedfertigen." Freiheit, die auf Frieden baut - das ist Gottes Art. Nicht Freiheit auf Kosten anderer. Freiheit, die alle mitnimmt.

Wir singen jetzt ein Lied, das seit über 200 Jahren Mauern zum Wackeln bringt.

Lied: Die Gedanken sind frei

Tobias erzählt die Geschichte des Liedes „Die Moorsoldaten": Entstanden 1933 im KZ Börgermoor. Häftlinge haben es geschrieben und beim Lagerkonzert vor den Augen ihrer Peiniger gesungen. Ein Lied als Akt des Widerstands.

Lied: Die Moorsoldaten

Impuls: Innere Freiheit

Durchatmen. Wir haben viel gehört heute Abend. Schweres. Lautes. Wir haben über Krieg gesprochen und über Bomben. Über Mauern, die fallen, und über Gewalt, die neue Mauern baut.

Aber es ist nicht nur das, was uns unfrei macht. Nicht nur Regime und Kriege und Stacheldraht.

Es gibt auch die leisen Gefängnisse. Die, in die uns niemand gesperrt hat außer wir selbst. Der Satz, den du dir morgens sagst, wenn du in den Spiegel schaust. Die Stimme im Kopf, die flüstert: Du bist nicht genug. Du musst mehr leisten. Du darfst nicht schwach sein.

Und diese Mauern - die sind manchmal genauso dick wie die in Berlin oder Teheran.

Jesus sagt in Johannes 8: „Die Wahrheit wird euch frei machen." Und ich frage mich: Welche Wahrheit? Vielleicht diese: Dass du nicht alles tragen musst. Dass du trauern darfst. Dass du genug bist - so wie du hier sitzt. Gerade heute. Gerade mit dem Kloß im Hals und den Nachrichten im Kopf.

Es gibt jemanden, der das verstanden hat. Vielleicht auf die radikalste Art, die ich kenne. Bonhoeffer sitzt im Gefängnis der Gestapo. Er wird nicht lebend rauskommen. Und in dieser Zelle schreibt er:

„Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar."

Ein Mann in Ketten schreibt über Trost und Geborgenheit. Das ist innere Freiheit. Freiheit, die nicht davon abhängt, was um dich passiert - sondern davon, wer bei dir ist und was in dir ist.

Während im Iran Bomben fallen und in Tel Aviv die Sirenen heulen: Vielleicht ist das, was wir brauchen. Nicht die Freiheit, die mit Waffen kommt. Sondern die, die trägt, wenn alles andere wegbricht.

Lied: Von guten Mächten

Fragomat-Zeit

10-15 Minuten. Klaviermusik im Hintergrund.

Drei Klangräume: Die Freiheit, die flüstert. Die Freiheit, die auf die Straße geht. Und die Freiheit, die nach innen schaut. Jetzt seid ihr dran. Lasst uns reden.

Aktion: Kerzen anzünden

Wir haben heute Abend über Freiheit gesprochen. Über Musik, die flüstert und Lieder, die Mauern einreißen. Über innere Käfige und den Mut, sie zu öffnen.

Und über den Krieg. Über die Bomben, die heute Nacht gefallen sind. Über die Menschen, die gerade sterben.

In Leipzig, 1989, sind Menschen mit Kerzen auf die Straße gegangen. Wer Kerzen trägt, kann keine Steine werfen.

Ich lade euch ein: Kommt nach vorne. Zündet eine Kerze an. Für den Frieden. Für die Menschen im Iran. Für die Menschen in Israel. Für alle angrenzenden Länder, die gerade beschossen werden, für die Menschen in der Ukraine. Für alle, die gerade in Angst leben. Und für die Freiheit. Die Freiheit, die wir allen Menschen wünschen. Freiheit von Gewalt und Hass. Freiheit von Regimen, die Menschen zunichte machen. Und die Hoffnung, dass Frieden werde - Frieden und Freiheit für alle.

Alle kommen nach vorne und zünden Teelichter an der großen Kerze an. Tobias spielt leise am Klavier. Das darf dauern.

Und wenn ihr zurückkommt an eure Plätze: Gebt einander ein Zeichen des Friedens. Schüttelt euch die Hände. Umarmt euch. Sagt: „Friede sei mit dir." Gerade heute.

Lied: Freiheit - Westernhagen

Fürbitten

Klaviermusik im Hintergrund

Gott, hier brennen sie. Unsere Kerzen. Kleine Lichter für den Frieden und die Freiheit.

Wir bitten dich für die Menschen im Iran. Für die Kinder, die heute Nacht gestorben sind. Für die Familien, die nicht wissen, wohin. Für die Menschen in Israel, die in Schutzräumen sitzen. Gott, sei da. Wo die Gewalt tobt, sei du der Frieden.

Wir bitten dich für alle, die in Unfreiheit leben - in Gefängnissen, in Systemen, in Beziehungen, die sie kleinhalten.

Wir bitten dich für uns - für unsere inneren Mauern. Schneide sie durch, Gott. Leise, sanft, aber bestimmt.

Schenke dieser Welt Frieden. Echten Frieden. Nicht durch Waffen. Durch dich.
Amen.

Vater Unser

Segen

Der Gott, der Mauern einreißt,
segne euch und behüte euch.
Der Gott, der Ketten sprengt und Herzen öffnet,
lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Der Gott, der euch zur Freiheit berufen hat,
erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.

Geht in diesen Abend - frei und gehalten. Und tragt den Frieden weiter, den die Welt gerade so dringend braucht.
Amen.

Ausklang

Die Kollekte ist für unsere Wohnzimmerkirche. Bleibt, wenn ihr mögt. Ihr seid frei.

01. Februar 2026

Werde erwachsen. Bleibe Kind.

Ein Abend über Kindheitssätze und Gottes Erziehungssprüche

Ankommen

Piano-Musik vorne (leise, meditativ). Alle setzen sich, versorgen sich mit Snacks und Getränken.

Begrüßung

Simon, über der Musik

Schön, dass ihr da seid! Schnappt euch ein Getränk, nehmt euch Kekse - macht es euch gemütlich. Das hier ist keine klassische Kirchenbank-Nummer, das ist Wohnzimmer.

Heute Abend geht es um einen Satz, der fast zu einfach klingt: Du bist Gottes Kind.

Wir alle tragen Sätze mit uns herum. Sätze aus unserer Kindheit. Manche haben uns stark gemacht. Andere haben wehgetan - und tun es vielleicht immer noch.

Heute Abend wollen wir diesen Sätzen begegnen. Und schauen, welche Sätze Gott für uns hat.

Opening: „Vergesst das Unvergessliche nicht!"

Bevor wir richtig loslegen: Lasst uns kurz teilen, was uns aus der Kindheit geblieben ist. Kennt ihr das - diese Erinnerungen, die nie verschwinden?

Zum Beispiel: Welches Kinderlied oder welche Serienmelodie könnt ihr heute noch mitsingen? Was für witzige Versprecher habt ihr als Kind gesagt? Und: Welche Erziehungssprüche aus eurer Familie kennt ihr noch?

Kurzes Murmeln an den Tischen (2-3 Minuten)

Lied: Gott gab uns Atem (Akkordeon)

Impuls 1: Sätze, die geblieben sind

Swantje, mit Piano im Hintergrund

Manche Sätze haben sich eingebrannt. Sind fest verankert. Erziehungssprüche, die wir nicht vergessen können.

In der Bibel steht: „Erziehe dein Kind schon in jungen Jahren - es wird die Erziehung nicht vergessen, wenn es älter wird."

Das stimmt. Wir vergessen nicht. Aber was tun mit den Sätzen, die lähmen? Die wehtun? Die kleinmachen?

Plakate: Erziehungssprüche

Hier vorne hängen Plakate mit Sätzen, die viele kennen. Ich lese sie vor:

„Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst, tust du, was ich sage."
„Wer nicht hören will, muss fühlen."
„Wenn du jetzt nicht kommst, geh ich ohne dich!"
„Große Jungs weinen nicht!"
„Ich zähl bis drei, dann setzt es was!"
„Wenn du nicht brav bist, kommst du ins Heim."

Kennt ihr solche Sätze? Welche fallen euch ein? Was hast du gehört als Kind? Oder vielleicht selber auch schonmal gesagt?

Klage-Gebet

Swantje, mit Melodie im Hintergrund

Wir haben geteilt: Sprüche der Erziehung. Manche davon taten in der Seele weh. Manche prägen bis heute.

Welchen Spruch möchtest du heute loswerden? Abschütteln wie Herbstlaub?

Auf euren Tischen liegen Zettel. Schreibt den Satz auf, den ihr loswerden wollt. Schreibt ihn euch von der Seele. Und legt ihn dann vorne auf der roten Samtdecke ab.

Zeit zum Schreiben und Ablegen (3-4 Minuten)

Gott, da gibt es was loszuwerden. Nimm du es. Verwandle es. Verwandle uns. Mach uns mutig, wahrhaftig und frei. Amen.

Lied: Remothering God

Impuls 2: Gottes Erziehungssätze

Simon, mit Piano im Hintergrund

Eine Geschichte aus der Bibel:

Einmal drängten sich viele Kinder um Jesus und seine Jünger scheuchten sie fort. Als Jesus das sah, sagte er den Jüngern ärgerlich: „Lasst doch die Kinder zu mir kommen, und hindert sie nicht daran! Gottes Reich ist ja gerade für solche wie sie bestimmt. Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, wird nie hineinkommen."

Dann nahm er die Kinder in die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.

Diese Geschichte erzähle ich oft bei der Taufe. Und sage dann dem Täufling: Du bist ein Gotteskind!

(In die Runde) Ihr seid Gotteskinder!

Es gibt diesen schönen Satz: „Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt."

Für mich bedeutet das: Ich kann in Gott etwas Elterliches finden. Ich kann in Gott etwas Geschwisterliches finden. Welche Erziehungssätze hat Gott parat?

Für mich sind das:

Ich vertraue dir - ohne Wenn und Aber.
Ich traue dir was zu.
Wenn du fällst, leg ich mich neben dich und wir versuchen, zusammen wieder aufzustehen.
Du bist wunderbar gemacht.
Du bist Gotteskind.

Impuls 3: Du bist gewürdigt

Simon, mit Piano im Hintergrund

Stellt euch vor, jemand sagt zu euch:

Trotz allem, was dir nicht gelingt: Du bist gerecht.
Trotz allem Unschönen: Du bist schön.
Trotz aller Angst: Du bist ohne Angst.
Wenn Gott für dich ist, wer kann wider dich sein?

Das ist keine Leistung, die wir erbringen müssen. Das ist ein Geschenk. Gott macht dich gerecht - aus Gnade, aus Liebe, aus Freiheit.

Man könnte es auch mit „Würdigung" übersetzen. Gewürdigt werden heißt, erleben zu dürfen, dass einem von anderen Menschen Respekt zugesprochen wird.

Unter Menschen wird Würdigung wohl nie ohne eine Vorleistung erfolgen. Gott aber würdigt den Menschen, ohne Vorbedingungen und unverdient.

Du bist wertvoll. Du bist würdevoll.

Lass dich von diesen Worten aufrichten. Schüttel ab, was dich lähmt - vor allem die alten Erziehungssätze, die nicht guttaten und immer noch nicht guttun.

Lied: Vertraut den neuen Wegen

Fragomat-Zeit

10-12 Minuten Tischgespräche mit Musik im Hintergrund

Jetzt kommt der Fragomat ins Spiel. Geht hin, zieht euch eine Frage, diskutiert an euren Tischen. Holt euch Kaffee und Kekse. Nehmt euch 10-12 Minuten Zeit.

Abbinder Fragomat

Vielen Dank für eure Gespräche und das Murmeln an den Tischen. Ich hoffe, es hat gutgetan, ehrlich zu sein - über Kindheitserinnerungen, über Sätze, die uns geprägt haben.

Lied: Wir sind Gottes Kinder

Aktion: Sätze umschreiben

Swantje

Wir haben vorhin die alten Sätze abgelegt. Jetzt wollen wir sie umschreiben - so, dass sie guttun.

Wenn du magst, steh auf, nimm dir einen Zettel und streiche einen Teil eines der Sätze. Und dann: Schreib den Satz um. Schreib ihn wohltuend. Schreib ihn so, dass du ihn für dich hören möchtest. Und dann leg ihn in die Taufschale.

Beispiele, live machen mit den Leuten:

„Wer nicht hören will…" → „…möchte vielleicht reden."
„Ich zähl bis drei, dann…" → „…machen wir was Tolles!"
„Wenn du jetzt nicht kommst…" → „…komm ich dir entgegen!"
„Wenn du nicht brav bist…" → „…hab ich dich trotzdem lieb."
„Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst…" → „…fühl dich zu Hause."

Zeit zum Umschreiben (3-4 Minuten)

Lied: Unser Vater

Fürbitten

Simon, mit Musik im Hintergrund

Gott, hier liegen sie jetzt. Die verwandelten Sätze. So wie wir sie uns wünschen. Wir wollen sie jetzt hören:

(Vorlesen)

Wir bitten dich:
Für alle, die unter harten Worten leiden - schenke ihnen neue, heilende Sätze.
Für alle Eltern und Großeltern - gib ihnen Worte der Liebe statt der Angst.
Für uns alle - lass uns das Kind in uns bewahren und trotzdem erwachsen werden in der Liebe.

Abkündigungen

Danke an alle, die heute etwas beigesteuert, ausgeliehen oder gespendet haben.

Die Kollekte sammeln wir für unsere Wohnzimmerkirche - für Ausstattung, Musik und Verpflegung.

Segen

Simon, mit Musik im Hintergrund

Der Gott, der dich Kind nennt,
segne dich und behüte dich.
Der Gott, der Würde schenkt,
lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Gott, der dich bedingungslos liebt,
erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

Ausklang: Musik

Und jetzt: Wenn ihr noch bleiben wollt, dann bleibt. Der Abwasch kann warten.

04. Januar 2026

Alles Neu

Zur Jahreslosung 2026: "Siehe, ich mache alles neu" (Offenbarung 21,5)

Ankommen

Piano-Musik vorne (leise, meditativ). Alle setzen sich, versorgen sich mit Snacks und Getränken.

Begrüßung

Schön, dass ihr da seid! Schnappt euch ein Getränk, nehmt euch Kekse - macht es euch wirklich gemütlich. Das hier ist heute keine klassische Kirchenbank-Nummer, das ist Wohnzimmer.

Wir starten in ein neues Jahr. 2026. Manche haben schon die ersten Vorsätze gebrochen, andere sind einfach nur froh, dass der Trubel vorbei ist. Wir feiern diesen Abend im Namen Gottes - der nicht irgendwo weit weg ist, sondern hier zwischen uns, im Knabbern der Kekse und im Anstoßen mit der Schorle.

Gott sagt für dieses Jahr einen Satz, der fast zu schön ist, um wahr zu sein: "Siehe, ich mache alles neu." Da steht nicht: "Streng dich mal mehr an." Da steht: ICH mache. Gott übernimmt die Regie. Lasst uns heute Abend mal schauen, was das für uns bedeutet.

Bevor wir richtig loslegen: Auf euren Tischen liegen kleine Zettel. Ich lade euch ein: Überlegt mal kurz - wenn ihr dieses junge Jahr 2026 mit nur einem Wort überschreiben müsstet, welches wäre das? Vielleicht ist es ein Wort voller Hoffnung wie "Mut" oder "Leichtigkeit". Vielleicht aber auch ein schweres Wort wie "Abschied" oder "Geduld". Schreibt dieses eine Wort jetzt für euch auf.

Lied: Dat Joar geiht to end (Akkordeon)

Gebet

Mit Piano im Hintergrund

Guter Gott, da sind wir - gerade ins neue Jahr gerutscht.
Die Luft riecht noch nach Schwefel vom Feuerwerk.
An den Schuhen klebt Böllerpapier,
in den Ohren hängt noch das "Frohes Neues".
Und im Kopf diese Liste: Diesmal wird alles anders.

Gott, ich bin müde von meinen eigenen Vorsätzen.
Müde vom Versprechen, endlich perfekt zu werden.
Müde vom Scheitern am 7. Januar.

Kannst du das übernehmen? Dieses "Alles neu"?
Weil ich glaube, alleine schaffe ich das nicht.

Sei heute Abend hier.
In den Gesprächen an den Tischen.
In den Liedern, die wir singen.
In dem, was wir nicht aussprechen.
Amen.

Impuls 1: SIEHE

Ich sehe? Draußen auf den Straßen liegt dieser graue Böllermatsch. In der Küche läuft wahrscheinlich gerade der dritte Geschirrspüler nach den Feiertagen durch. Und im Kühlschrank stehen die letzten Reste vom Raclette, die heute Mittag zum dritten Mal in einem Auflauf gelandet sind.

Und schon verklingen sie in mir, die leisen Hoffnungen, die das neue Jahr mit sich bringt. Am 4. Januar fühlt sich oft schon wieder alles an wie immer. Die gleichen Muster. Das gleiche Chaos.

Siehe. Das heißt erst mal nur: Schau hin. Nimm wahr, was ist. Gott sagt nicht: "Guck weg von deinem Matsch." Er sagt: "Ich sehe da mit dir hin." Er sieht das Chaos, die Reste, das Ungespülte. Wäre natürlich schön, wenn er dann auch direkt den Abwasch machen würde - aber vielleicht fängt das "Neu-Machen" erst mal damit an, dass er neben mir an der Spüle steht. Dass ich da nicht alleine stehe mit meinem Alltag.

Gott sagt: Siehe! Guckt jetzt noch mal auf euren Zettel. Auf euer Wort. Vielleicht ist es ein schweres Wort. Oder ein schönes. Gott sagt: "Ich sehe das." Genau das, was du da aufgeschrieben hast. Es ist jetzt hier und es ist okay so. Du musst nichts verstecken und nichts schöner machen, als es ist. Gott sieht dich - mit genau diesem Wort in der Hand.

Lied: Hannes Wader - Heute hier morgen dort

Impuls 2: ICH

Ich. Ich. Ich. Eigentlich ist das unser Wort, oder? Ich muss mich endlich zusammenreißen. Ich muss das dieses Jahr hinkriegen. Ich muss mich ändern. Wir sind die Hauptdarsteller in unserem eigenen Optimierungswahn. Und das ist verdammt anstrengend.

Aber in der Jahreslosung taucht ein anderes ICH auf. Gottes Ich. "ICH mache alles neu."

Das ist eine Ansage. Gott sagt: "Lass mal. Du bist heute Abend nicht der Projektleiter für dein Leben. Das bin ich." Dieses Jahr fängt nicht mit einem Befehl an: "Du sollst dies tun" oder "Du musst jenes sein". Es fängt mit einem Versprechen an: "Ich mache."

Das nimmt uns die Last von den Schultern, alles aus eigener Kraft wuppen zu müssen. Wir müssen uns nicht selbst neu erfinden. Wir müssen nicht perfekt werden bis zum 15. Januar. Gott sagt: Ich übernehme das Wesentliche.

Was wäre, wenn das stimmt? Wenn Erneuerung nicht deine harte Arbeit ist, sondern Gottes Geschenk? Du darfst dich mal kurz zurücklehnen. Atme mal tief durch. Gott ist am Zug. Sein "Ich" gegen dein "Müssen".

Lied: Vertraut den neuen Wegen

Impuls 3: MACHE

Machen. Das ist ein echtes Anpacker-Wort. Ein Verb. Bewegung. Gott sagt nicht: "Ich hätte da mal eine Idee." Oder: "Ich plane da eventuell was für die Zukunft." Gott sagt: Ich mache.

Aber wie macht Gott das? Er schnippst ja meistens nicht mit dem Finger und zack - die Welt ist perfekt und die Küche ist sauber. Ich glaube, Gott macht das eher wie ein Gärtner oder ein Handwerker. Er fängt an. Er setzt Impulse. Er bringt Leute zusammen, die sich eigentlich nichts mehr zu sagen hatten. Er sät eine Hoffnung in einen Kopf, der eigentlich schon aufgegeben hatte.

"Machen" heißt bei Gott nicht: "Ich bin schon fertig." Es heißt eher: "Ich bin dran." Vielleicht macht Gott, indem er uns Türen öffnet, die wir gar nicht gesehen haben. Oder indem er uns den Mut gibt, mal was ganz Altes sein zu lassen.

Gott lädt uns ein, dabei zuzuschauen - und vielleicht sogar ein bisschen mitzumachen. Nicht, weil wir müssen, sondern weil es Spaß macht, Teil von etwas Neuem zu sein. Was könnte Gott 2026 bei dir "machen"? Wo darf er mal mit dem Werkzeugkasten vorbeikommen?

Schaut nochmal auf euren Zettel. Auf euer Wort. Überlegt mal: Was würde sich ändern, wenn ihr für dieses Wort heute Abend mal die Verantwortung an Gott abgebt? Wenn ihr mal nicht die Macher seid, sondern Gott machen lasst?

Dreht euch mal kurz zu eurem Nachbarn: Wie fühlt sich das an, die Werkzeuge mal aus der Hand zu legen? Erleichterung? Oder eher Skepsis: "Kann der das überhaupt?" Einfach mal kurz drüber murmeln.

Lied: Von guten Mächten

Impuls 4: ALLES

Und dann kommt dieses riesige Wort: ALLES. Nicht nur mein kleiner Mikrokosmos. Nicht nur meine Küche, mein Abwasch, meine Sorgen. Gott sagt: Ich mache alles neu.

Das ist der Moment, wo wir den Blick vom eigenen Zettel heben und mal durch das Fenster nach draußen schauen. In eine Welt, die sich gerade an so vielen Stellen alt, kaputt und festgefahren anfühlt. Kriege, die nicht aufhören. Systeme, die ungerecht sind. Strukturen, die uns auslaugen.

Gott meint das ernst. Sein Plan ist nicht nur ein privates Wellness-Programm für uns hier im Wohnzimmer. Seine Vision ist eine Welt, in der niemand mehr einen Grund zum Weinen hat. Wo echter Frieden ist, nicht nur Waffenstillstand.

"Alles neu" heißt: Gott ist an der Weltpolitik dran, an der Nachbarschaft, an dem großen Ganzen. Gott macht das nicht ohne uns, aber wir schaffen es definitiv nicht ohne ihn. Erneuerung ist Teamarbeit. Gott öffnet Türen, und wir müssen durchgehen. Gott bewegt Herzen, und wir fangen an zu reden.

Wo hoffst du 2026 auf das ganz große "Alles neu"?

Fragomat-Zeit

10-15 Minuten Tischgespräche mit Musik im Hintergrund

Jetzt kommt der Frageomat ins Spiel. Geht hin, zieht euch eine Frage, diskutiert an euren Tischen. Nehmt euch 10-15 Minuten Zeit.

Abbinder Fragomat

Vielen Dank für eure Gespräche und das Murmeln an den Tischen. Ich hoffe, es hat gutgetan, mal ehrlich zu sein - egal ob ihr über nervige Gewohnheiten gelacht oder über die Welt nachgedacht habt.

Wisst ihr, was mir beim Zuhören aufgefallen ist? Die Jahreslosung "Ich mache alles neu" ist Verheißung und Frage zugleich. Wann wird es neu? Wie passiert das genau? Und was genau muss eigentlich neu werden?

Wir leben alle in dieser Spannung: Zwischen dem, was uns gerade noch stresst, und dem, was wir uns erhoffen. Zwischen dem, was wir selbst anpacken können, und dem, wo wir einfach nur hoffen können, dass Gott übernimmt.

Und das ist okay. Das darf so bleiben. Das muss für heute Abend reichen - und für den Anfang von 2026 auch. Wir müssen nicht alle Antworten haben, um neu anzufangen. Es reicht, wenn wir wissen, in welche Richtung wir schauen.

Impuls 5: NEU

Neu. Das letzte Wort. Das klingt immer so nach "frisch gestrichen", nach Neuwagen-Geruch oder einem unbeschriebenen Blatt Papier. Aber seien wir ehrlich: "Neu" ist oft auch erst mal anstrengend. Es ist ungewohnt, es ist ein Risiko. Das Alte kennen wir, da wissen wir, wie wir uns beschweren müssen. Das Neue ist Neuland.

Aber Gott verspricht uns für 2026: "Ich mache neu." Das fängt nicht im Großen an, das fängt heute Abend an. Vielleicht mit einer neuen Art, sich selbst zuzuhören. Mit einem neuen Mut, mal "Nein" zu sagen - oder mal ganz laut "Ja".

Dieses "Neu" von Gott ist nicht perfekt oder fertig. Es ist ein Anfang. Ein Keim, der gerade erst aus dem Böllermatsch vom ersten Impuls rausguckt.

Aktion: Neu-Mach-Zettel

Wir wollen das jetzt festmachen. Auf euren Tischen liegen jetzt nochmal Zettel und Stifte. Ich lade euch ein, zwei Dinge aufzuschreiben - kurz und knapp, kein Aufsatz:

  • Eine Hoffnung für dein Leben 2026. (Was soll bei dir neu werden?)
  • Eine Hoffnung für die Welt 2026. (Was braucht da draußen dringend eine Erneuerung?)

Schreibt das nicht als Vorsatz auf, so nach dem Motto: "Ich muss das jetzt erledigen." Schreibt es als Sehnsucht auf. Als Wunsch an Gott.

Wenn ihr fertig seid, bringt die Zettel nach vorne. Wir legen sie hier in unsere Mitte. Eure Hoffnungen und Gottes Versprechen - das kommt jetzt zusammen. Das ist unser Gebet für heute Abend.

Lied: Oh du Fröhliche

Vater Unser

Fürbitten

Mit Musik im Hintergrund

Gott, hier liegen sie jetzt. Unsere Neu-Mach-Zettel. Ganz schön viel Hoffnung auf einem Haufen. Wir haben euch gebeten, eure Sehnsüchte für euch und für die Welt aufzuschreiben. Ich lese jetzt einfach mal einige davon vor - stellvertretend für alles, was hier vorne liegt. Wir bringen das so vor Gott.

"Dass meine Angst weniger wird."
"Endlich Frieden in der Ukraine."
"Mehr Zeit für das, was mir guttut."
"Dass wir in der Nachbarschaft wieder mehr miteinander reden."

Gott, du hast das alles gehört. Das, was laut gesagt wurde, und das, was nur auf den Zetteln steht. Hier liegen unsere Sehnsüchte. Das, was wir nicht alleine schaffen.

Wir sagen gemeinsam: Mach neu, was festgefahren ist - in uns und in unserer Welt. Wir legen es dir hin und vertrauen auf dein "Ich mache". Amen.

Segen

Der Gott, der alles neu macht,
segne euch und behüte euch.
Der Gott, der Anfänge schenkt,
lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Der Gott, der niemals aufgibt,
erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.
Amen.

Ausklang

Und jetzt: Wenn ihr noch bleiben wollt, dann bleibt. Der Abwasch kann warten, das neue Jahr fängt gerade erst an. Genießt den Abend.

Termine 2026

Immer am ersten Sonntag im Monat um 17:00 Uhr in St. Jacobi Neuenkirchen

04. Januar Alles neu?! (Jahreslosung 2026)
01. Februar Werde erwachsen. Bleibe Kind. (Kindheitssätze)
01. März Freiheit (Die Klänge der Freiheit)
03. Mai Aufblühen
05. Juli
02. August Urlaub
06. September Liebe
06. Dezember

Für alle - wirklich alle

Die Wohnzimmerkirche ist für Kirchenprofis und Gelegenheitsgänger, für Suchende und Neugierige, für Familien mit quirligen Kindern und Menschen, die einfach mal reinschnuppern wollen.

Kommt, wie ihr seid! Es gibt keinen Dresscode, keine Vorkenntnisse, die man braucht - nur die Offenheit für einen besonderen Abend.

Mitmachen

Die Wohnzimmerkirche soll nicht allein von Pastor und Musikern gestaltet werden. Wir suchen Gruppen, Einzelpersonen, Kreative, die Lust haben mitzudenken, mitzuwirken und das Format mitzugestalten.

  • Habt ihr Ideen für ein Thema?
  • Wollt ihr einen Abend musikalisch begleiten?
  • Möchtet ihr ein interaktives Element beitragen?

Gemeinsam schaffen wir etwas Einzigartiges!

Impressum

Angaben gemäß § 5 DDG

Ev.-Luth. Kirchengemeinde Neuenkirchen
Markstraße 2
25764 Wesselburen

Verantwortlich für den Inhalt

Pastor Simon Luthe
Tel: 0151 21563194
E-Mail: simon.luthe@kirche-dithmarschen.de

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